Als Körperbehaarung wird die Behaarung am menschlichen Körper im Unterschied zum Kopfhaar bezeichnet. Sie folgt in Bezug auf die Androgensensibilität anderen Wachstums- und Entwicklungsmodalitäten als das Kopfhaar. So ist – mit Ausnahme des Barthaars beim Mann – ihr Wachstumszyklus (siehe unten) auf wenige Monate begrenzt und somit wesentlich kürzer als der des Kopfhaars. Beispielsweise fallen Beinhaare nach zwei, Achselhaare nach sechs Monaten aus.
Die Sache mit der Androgenausschüttung
Da sich die terminale beziehungsweise erwachsene Körperbehaarung erst durch eine vermehrte Ausschüttung von Androgenen (männlichen Geschlechtshormonen) herausbildet, wird sie bisweilen auch als androgene Behaarung bezeichnet. Auf Grund der unterschiedlich hohen Androgenausschüttung bei der Frau und beim Mann entwickelt sich die terminale Körperbehaarung geschlechtsspezifisch. Sie gilt daher auch als sekundäres Geschlechtsmerkmal. Der Grad der jeweiligen Körperbehaarung ist neben dem Geschlecht von der genetischen Disposition, vom hormonellen Status und vom Lebensalter abhängig. In erster Linie bestimmt die genetische Disposition die individuelle Ausprägung und somit das Ausmaß der Behaarung. Genetisch vorbestimmt liegt eine gewisse Anzahl von Haarwachstumszellen in der Haut. Männer und Frauen unterscheiden sich nicht in der Anzahl der Haarwachstumszellen. Lediglich die unterschiedlichen Funktionen des endokrinen Systems, also der Anteil an Androgenen, bestimmen die Menge und Dichte des Haarwuchses.

Andere Völker…
Bei manchen Völkern sind auch Frauen sehr stark behaart. Hier ist es nicht ungewöhnlich, dass hormonell gesunde Frauen einen für mitteleuropäische Verhältnisse männlichen Behaarungstyp aufweisen. Bei Frauen kann die Körperbehaarung auch durch den sinkenden Östrogenspiegel in den Wechseljahren und die daraus folgende Androgendominanz zunehmen. Dem kann durch die Einnahme von Östrogenpräparaten entgegengewirkt werden. Ein vermehrtes und unnatürliches Wachstum der Körperbehaarung wird als Hypertrichose bezeichnet. Eine Hypertrichose, die medizinisch als Erkrankung definiert wird, kann sowohl bei Frauen als auch bei Männern in unterschiedlicher Ausprägung und in unterschiedlichem Lebensalter auftreten.
Krankhafte Ausprägung der Behaarung
Eine Form vermehrter Körperbehaarung, die ausschließlich Frauen betrifft, ist der Hirsutismus, der sich in der Entwicklung eines männlichen, für Frauen untypischen Behaarungstyps äußert. Hirsutismus wird in der Regel durch eine vermehrte Ausschüttung männlicher Geschlechtshormone ausgelöst. Auch Atavismus, die vereinzelte Ausprägung von ansonsten nur embryonal angelegten Merkmalen, kann Vollgesichts- oder Vollkörperbehaarung beim Erwachsenen jeden Geschlechts zur Folge haben. Sollten Sie sich über die Ursache Ihrer (Über-)Behaarung unsicher sein, ist in jedem Fall ein Arztbesuch (Andrologie, Endokrinologie) anzuraten, bevor Sie kosmetische Dienstleistungen in Anspruch nehmen.
Behaarung unter kulturellen Gesichtspunkten
Eine Betrachtung der Behaarung unter kulturellen Gesichtspunkten zeigt, dass die Sichtweise und Akzeptanz von Körperbehaarung in den einzelnen Kulturkreisen sehr unterschiedlich ist. Ob bzw. wann eine Behaarung als anormal angesehen wird, ist damit, abgesehen von medizinischen, auch von sozialen Determinanten abhängig. In einigen Kulturen wird sie als Geschlechtsmerkmal zur Schau gestellt, in anderen gilt der haarlose Körper als Ideal.
Schon im Mittelalter wurden in Europa Körperhaare gekürzt bzw. entfernt. In den letzten Jahrzehnten ist in den westlichen Industrienationen vor allem bei Frauen eine wachsende Tendenz zur kompletten oder teilweisen (Intimbereich) Enthaarung des Körpers zu verzeichnen. In vielen Kulturkreisen der heutigen Zeit gilt (zu) starker Haarwuchs vor allem bei Frauen als unästhetisch. Auch die Werbebranche bestätigt und forciert seit vielen Jahren den stetigen Trend zur glatten und haarlosen Haut. Je knapper Badeanzug oder Bikini geschnitten sind, umso mehr Haut liegt frei, welche selbstredend unbehaart sein muss.

Obwohl die gesellschaftliche Akzeptanz von Körperhaaren bei Männern ungleich höher ist, ist auch hier ein deutlicher Trend zur Enthaarung/Rasur zu erkennen. Jedoch ist auch heute noch die Entfernung der Körperbehaarung bei Männern weniger üblich als bei Frauen. Eine durch die Universität Leipzig durchgeführte Studie unter jungen Erwachsenen ergab, daß sich 97 % der Frauen und 79 % der Männer mindestens einen Teil der Körperbehaarung entfernen (empirische Erhebung aus dem Jahr 2008).
Der Wachstumszyklus – diese Phasen durchläuft jedes Haar:
- Anagenphase (Wachstumsphase) – Es erfolgt die Bildung der Haarwurzel und der Beginn der Produktion des Haares.
- Katagenphase (Übergangsphase) – In dieser löst sich von der Papille und verkümmert. Der Haarfollikel verkürzt sich.
- Telogenphase (Ruhephase/Ausfallphase) – Hier erneuert sich die Haarpapille und der Haarfollikel regeneriert sich. Es entsteht ein neues Haar, das jedoch noch nicht zu sehen ist.

Schon gewusst…?
Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, daß Körperhaare (auch Barthaare) durch häufiges/regelmäßiges Rasieren schneller oder vermehrt wachsen würden. Diese Annahme ist falsch (Quelle: Professor Eberhard Heymann, Universität Osnabrück, in seinem Lehrbuch „Haut, Haar und Kosmetik“). Das Haarwachstum und seiner Bestandteile (Haarfollikel, Haarwurzel) erfolgt in einem Zyklus, der aus drei verschiedenen aufeinanderfolgenden Phasen besteht. Die Intensität des Wachstums hängt von individuellen Faktoren sowie vom Zeitpunkt im Haarzyklus (Wachstumszyklus des Haares) ab, in dem sich das Haar befindet. Dadurch, dass die Zyklen der einzelnen Haare nicht gleichzeitig ablaufen, ist dem Menschen eine ständige Behaarung „gesichert“.
In der Pubertät beginnen in aller Regel auch Scham- und Achselbehaarung üppiger zu wachsen, beim Mann auch der Bart, später meist auch auf Brust und auf den Schultern. Mit zunehmendem Alter, bei Männern oft auch vorzeitig, vermindert sich das Wachstum des Haupthaares. Dagegen nimmt das Haarwachstum an den Oberlippen von Frauen zu („Damenbart“). Auch an Ohrläppchen, Füßen und Nase nimmt das Haarwachstum oft zu.
